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Ich habs verzapft

Frisch gezapftes selbst gebrautes Bier verköstigen – wann immer man will. Elendiges Flaschen reinigen – das war einmal. Ein Hingucker – auf jeder Party. Flaschen einzelnd befüllen – nie wieder. So, oder so ähnlich, sahen meine Vorstellungen vor der Umstellung auf Kegs aus. Dieser Zeitpunkt war im Mai des Coronajahres (nicht mit einer Biermarke aus Mittelamerika verwechseln). Wie die Realität mit dem Zapfen als Hobbybrauer aussieht, davon möchte ich hier berichten. Es geht mir weniger um die Physik in alledem. Hierzu gibt es bereits hervorragende Artikel. Es soll viel mehr ein Erfahrungsbericht sein. Vielleicht hilft dieser ja dem Einen oder der Anderen.

Wie man aus der Einleitung bereits entnehmen kann, habe ich nur die positiven Seiten des Keggings (will bedeuten: Selbsgebraute Erzeugnisse in 18 l Fässer abfüllen und eben nicht in 0,3 l Flaschen) gesehen. Aber irgendwann trifft jeden die harte Realität: So ein Fass zu reinigen ist doch sehr viel mehr Aufwand als 2, 3 Fläschchen gerade nebenbei durchzuspülen. Ein Fass braucht auch viel Platz im Kühlschrank – man möchte das Bier ja schließlich auch schön kalt genießen. Und der bisher gravierenste Punkt: Zapfen möchte gelernt werden. Bisher habe ich tatsächlich nur schales Bier gezapft, dafür mit einer ordentlichen Schaumkrone. Ich denke das liegt unter anderem am Equipment. Was für Gerätschaften benötigt man denn überhaupt, wenn man sein Bier in Kegs abfüllen möchte? Also hier: mein Einsteiger-Setup.

Mein Equipment

Ein Fass: Die Hobbybrauer bedienen sich gerne an Soda-Kegs. Soda-Kegs haben immer zwei Anschlüsse. Einen CO2– und einen Getränke-Anschluss. Beim Anschlusssystem gibt es allerdings zwei unterschiedliche Varianten. Ich habe mich für NC-Kegs mit dem Ball-Lock System entschieden. Neben den NC-Kegs gibt es außerdem noch die CC-Kegs. Wer mehr dazu erfahren möchte, kann hier weiterlesen.

Einen Zapfhahn: Es gibt zwei Klassen von Zapfhähnen, zum einen den Kolbenschankhahn und zum aanderen den Kompensatorzapfhahn. Aus Unwissenheit habe ich mir einen Kolbenschankhahn zugelegt. Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass bei diesen der optimale Betriebsdruck zwischen 0,4 und 0,6 Bar liegt. Dies habe ich in einem tollen Artikel vom Braumagaz!n nachgelesen.

Ein wenig CO2: Zum einen wird CO2 benötigt, um das Bier zu karbonisieren und zum anderen um Bier zu Zapfen. Ein paar Sätze zur Karbonisierung. Traditionell wird der Hobbybrauer wohl durch die Flaschengärung das CO2 ins Bier bekommen. Dies bedeutet, dass in der geschlossenen Flasche die Hefe nochmal aktiviert wird. Das bei der Gärung erzeugte CO2 kann nicht entweichen und löst sich langsam im Bier. Diese Möglichkeit hätte man im Fass auch. Aus meiner Sicht spricht allerdings die Hefevermehrung dagegen. Daher fahre ich immer das Prinzip der Zwangskarbonisierung. Hierbei wird über eine externe CO2-Quelle ein Überdruck im Fass erzeugt. Ähnlich wie in der Flasche, löst sich das CO2 langsam im Bier. Als Folge sinkt der Druck im Fass bis sich ein Gleichgewicht zwischen dem Überdruck im Fass und dem CO2-Gehalt im Bier einstellt. Der Druck, der sich im Gleichgewicht einstellt, wird Sättigungsdruck genannt. Wenn man den Druck im Fass kennt, kann man über einen Blick in die Spundungstabelle herausfinden, wie viel CO2 im Bier gelöst ist. Um ein Gefühl für den CO2-Gehalt zu bekommen: Ein Pils hat ca. 4,5…5,0 g CO2 pro Liter, ein Hefeweizen eher 6,5…7,0 g CO2 pro Liter und ein Ale vielleicht eher 4,0…4,5 g CO2 pro Liter.

Ein Manometer: Mit einem Manometer kann der Druck im Fass bestimmt werden. Es kostet nicht viel und ist durchaus praktisch, um den CO2-Gehalt im Bier zu bestimmen.

Ein Lichtblick im Dunkeln

“Erkenntnis ist der erte Schritt zur Besserung”, oder wie sagt man? Mittlerweile sind mit ein paar Fehler beim Zapfen aufgefallen.

  1. Ein zu hoher Sättigungsdruck. Der Kühlschrank, in dem das Fass steht, ist durchaus kälter eingestellt, als ich dachte. Dadurch habe ich zum einen das Bier überkarbonisiert und zum anderen habe ich einen relativ hohen Sättigungsdruck angesetzt. Den hohen Druck im Fass habe ich dann zum Zapfen einfach gesenkt. Aber genau darin liegt der zweite Fehler.
  2. Zum Zapfen den Druck senken. Mein Gedanke war: “Wenn der Zapfhahn bei ca. 0,5 Bar optimal zapft, dann nehme ich das Fass einfach aus dem Kühlschrank, senke den Druck von 1,4 Bar Sättigungsdruck auf 0,5 Bar und kann dann zapfen.” Ich kann zwar nicht ins Fass hineinschauen, aber ich stelle es mir so vor, wie bei Flachen mit Kohlensäurehaltigem Inhalt. Beim Öffnen wird der Überdruck in der Flasche rapide gesenkt und als Folge wird das gebundene CO2 freigesetzt. Das Ergebnis beim Zapfen sieht dann so aus: Sehr wenig schales Bier dafür sehr viel Schaum im Glas. Also befolge ich jetzt den Tipp der Profis: Beim Zapfen niemals unter den Sättigungsdruck fallen.
  3. Der Falsche Zapfhahn. Da der Druck während des Zapfens nicht unter den Sättigungsdruck fallen darf und ich bei 3 °C im Kühlschrank und 0,6 Bar Sättigungsdruck nur noch 4,6 g CO2 pro Liter Bier habe, muss ich mir wohl einen neuen Zapfhahn, nämlich einen Kompensatorzapfhahn, besorgen. Diese kommen auch mit höheren Drücken zurecht.

Bis hierhin kann ich sagen, dass das Zapfergebnis durch aus besser ist, wenn ich auf 4,6 g CO2 pro Liter Bier karbonisiere und dann mit 0,7 Bar zapfen kann, als wenn ich auf 6,0 g CO2 pro Liter karbonisiere und dann den Zapfdruck rapide senke. Nach meinem Geschmack sind 4,6 g CO2 pro Liter allerdings schon etwas wenig. Daher werde ich mir demnächst einen Kompensatorzapfhahn zulegen. Meine Erkenntnisse werde ich dann natürlich in einem weiteren Artikel kundtun. Bis dahin, guten Sud!


Ein paar gute Quellen:
https://hobbybrauer.de/forum/wiki/doku.php/spundungstabelle
https://braumagazin.de/article/soda-kegs/
https://malzknecht.de/besser-brauen/tutorials/umstieg-auf-kegs-teil-1-pro-und-contra/
https://www.youtube.com/c/089Braumeister/videos
https://zwieselbrau.wordpress.com/2018/09/26/nc-kegs-teil-1-die-ausruestung/

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